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Luftschutz auf der Margarethenhöhe im 3. Reich

 

Dieser Tage wurde in der Essener Tagespresse über ehemalige Liftschutzbunker berichtet. Was sich damals in Sachen Luftschutz auf der Margarethenhöhe tat, möchte ich an dieser Stelle berichten.

Bei Ausbruch des Krieges war ich 13 Jahre alt. Wir wohnten auf der Sommerburgstr. 78. Damals, 1935/36, wurden vom Kruppschen Wohnungsbau die Häuser gebaut, die sich hinter der Lührmannstraße, rechts der Sommerburgstraße bis zum Hof des Bauern Wortberg, (heute Esso-Tankstelle) befinden.

Bemerkenswert war, dass hierbei bereits die Kellerfenster mit eisernen Klappen versehen, luftdicht verschließbar waren. Einer der Kellerräume jedes Hauses wurde, als Luftschutzraum hergerichtet, mit einer schweren, ebenfalls luftdicht verschließbaren Eisentür versehen.

Bald nach Kriegsausbruch rückten in allen Häusern der Höhe Maurer an, die in den Kellern der Häuser Löcher in die Mauern zum Nachbarhaus schlugen. Diese wurden danach nur leicht verschlossen, um den evtl. durch Bombentreffer verschütteten Bewohnern einen Fluchtweg offen zu halten. Ein zentral gelegener Kellerraum, meist war es der Kellerflur, wurde als Luftschutzraum hergerichtet. Die Kellerdecke wurde zusätzlich mit Balken abgestützt und es wurden Feldbetten aufgestellt. Zur Standardausrüstung gehörte ein Zinkeimer, eine Kübelspritze, eine sogenannte Feuerpatsche, eine Schaufel und diverse Werkzeuge wie Hammer, Meißel und eine Taschenlampe.

Ein günstig zu diesem Raum gelegenes Kellerfenster wurde von außen mit großen weißen Buchstaben als LSR (Luftschutzraum) kenntlich gemacht. Dafür, dass all diese angeordneten Maßnahmen auch überwacht und durchgeführt wurden, war ein vom „Reichsluftschutzbund“ bestellter Luftschutzwart zuständig. Für die Margarethenhöhe war dieses einer unserer damaligen Lebensmittel-Händler.

Inzwischen waren wir zur Metzendorfstr. 16 umgezogen. 1941 etwa begann man mit dem Bau des Hochbunkers an der Stensstraße, kaum 100 Meter von unserer Wohnung entfernt.
Wir Jungen, die gerne beim Bau dieses Bunkers zusahen, kamen aus dem Staunen nicht heraus. Meterdick wurde der Boden, mit Unmengen Armiereisen versehen, ausgegossen. In die ebenfalls meterdicken Wände wurden verwinkelte Luftschächte eingebaut. Der Bunker hatte zwei Etagen. Jede war mit einem separaten, mehrfach gesicherten separaten Eingang versehen. Im 1. Stock befand sich eine große Heiz- und Belüftungsanlage. Beide Stockwerke waren durch Zwischenwände aufgeteilt. Die so entstandenen Räume waren verschieden ausgestattet. Mal nur mit Bänken, mal mit doppelstöckigen Luftschutzbetten.

Dieser Bunker bestand seine Bewährungsprobe gegen Kriegsende, als er von einer Bombe nahe dem oberen Eingang getroffen wurde. Den Insassen, meine Mutter war auch dabei, ist nichts passiert.

 

Wie gut gebaut dieser Bunker war, konnte man nochmals im vergangenen Jahr feststellen, als er abgebrochen wurde, um einem Wohnhaus für Senioren Platz zu machen. Seinen Abbruch durfte ich also auch noch erleben.

Von Jahr zu Jahr waren die Luftangriffe zahlreicher und schwerer geworden. Kaum verging eine Nacht, in der die Sirenen die Bewohner nicht ein- oder mehrmals aus dem Bett jagten. Die Zeiträume dazwischen wurden immer kürzer. Kaum war noch Zeit, sich an- oder auszukleiden. Bis zum Bunker schafften die, die etwas entfernter wohnten, kaum noch, bis die ersten Brand- oder Sprengbomben fielen. Dazu das Herniederprasseln der messerscharfen Splitter unserer eigenen Flakgeschosse. Darum suchten viele Schutz in Stollen, die sie im Wald nahe ihrer Wohnung in Nachbarschaftshilfe und mit Kräften des Luftschutzbundes herstellten. So befand sich einer am Ende der Metzendorfstr. an dem Hang gegenüber vom Halbachhammer. Ferner einer am Spielkampsweg. Nach Kriegsende wurden sie beseitigt.

An der U-Bahn-Haltestelle „Halbe Höhe“ war in den Steilhang ein Stollen mit zwei Eingängen gegraben worden. Sie führten, etwa 40 Meter voneinander entfernt, in den Felsen und waren miteinander verbunden. Auch dieser Schutzraum wurde nach Kriegsende verfüllt und zugemauert, sodass auch von dieser Hinterlassenschaft des letzten, und ich hoffe, allerletzten Krieges nichts mehr zu sehen ist.

 


 

Herausgeber:    Die Bürgerschaft Essen-Margarethenhöhe e.V.

Ausgabe:         Nr.: 103. Oktober 2007

 
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