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Taler, Taler, Du mußt wandern

 

Dieses alte Kinderlied und Kinderspiel wird wohl in Zukunft bei den Kindern auf Unverständnis stoßen. Vielleicht wird es noch Schokoladentaler geben, aber Bargeld in Form von Münzen soll nach den Vorstellungen der Bankkonzerne bald verschwinden. Erinnern wir uns also an die   „gute alte Zeit“, z.B. an die dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts auf der Margarethenhöhe, in welcher alles ausschließlich bar bezahlt wurde mit Markstücken, Groschen und Pfennigen.

Den Wochen- oder Monatslohn brachte der Haushaltungsvorstand in der Lohntüte nachhause. Rentenempfänger warteten sehnsüchtig auf den Geldbriefträger, der ihnen ihre Rente auszahlte. Nur Beamte und wenige Angestellte besaßen ein Girokonto, auf welches ihr Arbeitsentgeld überwiesen wurde.

Erst 1928 eröffnete die Essener Sparkasse ihre erste „Annahmestelle“ auf der Margarethenhöhe im Gebäude der Margarethe-Krupp-Stiftung. Diese Sparkassenaußenstelle war nicht ständig geöffnet und diente nur zur Annahme von Spargeldern und Einzahlungen auf Girokonten. Miete, Strom und Gas wurden bar bezahlt.

Jeder Mieter mußte an einem der wenigen Mietzahlungstage - um den Ersten jeden Monats herum -  mit seinem Mietbuch persönlich erscheinen, um seine fällige Miete bar zu bezahlen.

Frau V., eine ältere Margarethenhöherin, arbeitete dort von 1939 bis 1943 und erinnert sich:

Die Miete wurde zu der Zeit in dem Raum kassiert, in welchem sich heute im Erdgeschoß des Verwaltungsgebäudes Empfang und Telefonzentrale sowie der Kopierraum befindet. Die Leute kamen mit ihrem Mietbuch, Frau V. notierte Summe und Datum, gab das Buch weiter an Herrn Wiklow, der das Geld kassierte.

In manchen Familien gibt es noch alte Mietbücher, die als Erinnerung und auch als Kuriosum aufbewahrt wurden.

Wollte man seinen Gasherd benutzen, mußte man vorher die passende Münze in den Schlitz an der Gasuhr stecken, so erzählt Hugo Rieth. Die passenden Münzen gab es für 50 Pfennig bei Kloidt, Laubenweg 11. Wie lange und wie oft man den Herd für diese 50 Pfennig benutzen konnte, ist nicht genau überliefert.

Die Häuser der Margarethenhöhe waren schon seit Baubeginn im Jahre 1910 mit vielen modernen Errungenschaften ausgestattet. So gab es natürlich elektrischen Strom und fließendes Wasser. Daher wurde der Stromverbrauch in regelmäßigen Abständen, vermutlich monatlich abgelesen und die Stromrechnung vom Stromkassierer in den Haushalten bar kassiert. Die Wasserabrechnung wird sicher ähnlich den Haushalten präsentiert worden sein.

Heute können wir uns ein Leben ohne Girokonto mit diversen Abbuchungsvorgängen z.B. für Miet-, Wasser-, Strom- und Gasrechnung kaum mehr vorstellen.

Weil die Margarethenhöher als sparsame Leute immer interessanter für die Sparkasse wurden, und dazu der Bedarf an Girokonten zunahm, entstand die erste Zweigstelle der Sparkasse 1948 im Hause Metzendorfstraße 50. Die Sparkasse ließ das Gebäude, in welchem sich heute die Post befindet, auf einem Trümmergrundstück errichten. Erst im Jahre 1963 zog die Sparkasse um in das Gebäude am Hohen Weg Nr. 25, da das Haus an der Metzendorfstraße zu eng geworden war.

Seit 1971 gibt es eine weitere Zweigstelle der Sparkasse auf der neuen, der oberen Margarethenhöhe, Sommerburgstraße 165. Dazu richtete auch die Deutsche Bank dort im gleichen Gebäudekomplex eine Filiale ein. Man hatte erkannt, daß man zu den Menschen gehen muß, wenn man ihr Geld verwalten möchte. Mit der Post ist noch ein drittes Geldinstitut auf der Höhe vertreten, die Postbank. Auch sie hat erkannt, daß Margarethenhöher Kunden den Geldinstituten nicht nachlaufen, sondern daß man zu ihnen gehen muß.

Bereits seit einigen Jahren gibt es das Gerücht, die Post auf der Höhe solle geschlossen werden. Kaum vorstellbar, daß die Postbank dem zustimmen wird. Denn dann würde sie viele Kunden auf der Höhe verlieren, weil es ja noch andere Geldinstitute gibt.

„Hier hast' nen Taler, geh auf den Markt, kauf Dir ne Kuh ...“ diese Zeiten sind lange vorbei. Aber: „Eine Mark für ein Eis vom Eiswagen“, das können auch heute die Kinder gut umsetzen.

 


Herausgeber:    Die Bürgerschaft Essen-Margarethenhöhe e.V.

Ausgabe:         Nr.: 70. August 1999

 
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