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1928 - Die Schule an der Waldlehne - Erinnerungen an die Zeit vor 70 Jahren

 

Jeder hat wohl seine Schulzeit aus seiner eigenen Sicht erlebt und jeder hat seine eigenen Erinne­rungen daran. Meine Schulzeit begann genau vor 70 Jahren im Jahre 1928.

Im Frühjahr jenes Jahres begann für mich, wie man so sagte, der Ernst des Lebens und ich mußte zur Schule. Die bestand aus mehreren Baracken, die auf dem Grundstück zwischen der Sommer­burgstraße, Altenau und Lehnsgrund standen. In ihnen waren die katholische Volksschule 39 und die evangelische Volksschule 29 untergebracht. In jeder Baracke waren zwei Klassenräume, die jeweils mit einem eisernen Ofen beheizt wurden.

So kam ich also in die Schule. Nur, was ich heute noch bedauere, es gab keine Zuckertüte. Die kannte man damals noch nicht, sie bürgerte sich erst einige Jahre später ein.

Was ich u.a. auch nicht vergessen habe: in unserer ersten Fibel stand der Satz:

,,...Hugo hole eine Leiter, oh, oh, schöne Kirschen am Baum...". Ich war stolz, daß mein Name in einem richtigen Buch gedruckt stand.

,,AAA. ..aaa.. „, schrieben wir die Vokale und Konsonanten des Alphabets in deutscher Schreibschrift (die Sütterlinschrift kam erst 1935)auf die Schiefertafel. Manchmal quietschte ein Griffel, es war ein unangenehmer Ton, der die angespannte Stille des Raumes durchdrang; die kleinen Hände waren noch ungeübt und hielten den Griffel noch krampfhaft. Und wenn etwas falsch oder nicht gelungen war, wurde es mit dem meist trockenen als feuchten Schwämmchen weggewischt. Dann rieb man mit dem gehäkelten Tafellappen nach und das Ganze verwischte noch mehr und es bildeten sich häßliche weiße Flecken auf der schonen schwarzen Schieferplatte. Und das gefiel uns dann irgendwie selbst nicht.

Mein Schulweg führte vom Külshammerweg, wo ich wohnte, durch die Sommerburg und dann durch die Waldlehne. Am Hauxplatz kam ich an der im Bau befindlichen neuen Schule vorbei. Ein Neubau war durch das Anwachsen der Margarethenhöhe notwendig geworden. Am 26. September 1927 war der erste Spatenstich gewesen. In der Stadtverordnetenversamrnlung hatte es über die ho­hen Kosten von 795.000,- Mark heftige Debatten gegeben. Aber die Befürworter hielten als Recht­fertigung dagegen, daß eine Mustersiedlung wie die Margarethenhöhe ein entsprechendes Bild der Schule erforderlich mache.

Ich kam also jeden Morgen an dem Neubau der Schule vorbei. Ein wuchtiger Bau. Mir kam er damals riesengroß vor. Und dann die große Uhr auf dem Dach.

Eine so große Uhr hatte ich noch nie gesehen. Es ist schon seltsam, - wenn ich heute an die Schule denke, fällt mir zuerst diese Uhr mit ihren gelben Zifferbalken und ihren gelben Zeigern ein.

Um den Bau stand noch das Holzgerüst. Und rundherum war ein wüstes Durcheinander von Lehm-haufen und Stapeln von Ziegelsteinen, Speis- und Kalkwannen, Brettern und Balken. Man konnte so schön auf den Brettern wippen, über die die Arbeiter ihre Schubkarren fuhren. Da standen auch dreibeinige eiserne Gestelle, auf denen die Arbeiter Ziegelsteine auf Schulterjoche stapelten um dann mit den schweren Lasten die Holzleitern hochzusteigen.

Wenn nicht gearbeitet wurde, war es ein Spaß, mit Holzlatten in die Kalkwannen zu schlagen. Ja, und einmal schlug ich etwas kräftiger zu, die Kalkbrühe spritzte hoch und - mein schöner Matrosen­anzug war über und über mit weißen Flecken bedeckt. Mit Schreck in den Gliedern und Angst im Nacken schlich ich nach Hause. Heute noch bin ich meiner Mutter dankbar, daß es nur bei einer, wenn auch sehr geharnischten, Strafpredigt blieb.

Dann war die neue Schule fertig, in die wir umzogen. Mit einer Feierstunde am 1.10.1928 in der Turnhalle wurde die von Prof. Metzendorf und Baurat Schneider erbaute Schule mit Musik und vielen Reden eingeweiht.

Die Schule hatte 20 Klassenräume: evang. Schule im linken Flügel, kath. Schule im rechten Flügel. Von beiden Schulen wurden gemeinsam genutzt: die Turnhalle mit den tollen Geräten und den goldgelben Holzdielen, die nicht mit Schuhen betreten werden durften. Dann der Zeichensaal und der Nähraum mit 11 Nähmaschinen. Im linken Untergeschoß war eine Kochküche, in der die Mäd­chen Haushaltsunterricht hatten und im rechten Flügel gab es im Untergeschoß eine vollständig ein­gerichtete Werkstatt mit Hobelbänken usw. Ich weiß noch, daß ich hier als erstes eine Blumen­wandkonsole für meine Mutter gefertigt hatte. Dann gab es noch Lehrmittelzimmer, Lehrer- und Konferenzzimmer usw., sowie ein Physikraum und ein Brausebad.

Wir kamen in eine andere Welt. Alles war so hell und freundlich, so neu. Es roch nach Farbe und Bohnerwachs. Diesen Geruch meine ich heute noch zu spüren. Die Gänge waren mit vier großen Wandmosaiken geschmückt, die Gustav Dahler von der Künstlerkolonie der Margarethenhöhe, ge­schaffen hatte. Es waren Szenen aus der Sagenwelt: 1. Genovefa mit ihrem Sohn Schmerzensreich und der Hirschkuh, 2. Rübezahl mit einem kleinen Menschen, 3. Kaiser Barbarossa im Kyffhäuser mit dem Jungen, wie er fragend auf die fliegenden Raben zeigt. Das 4. Mosaik wurde durch eine Bombe im letzten Krieg zerstört. leider weiß ich nicht mehr, was es darstellte und keiner konnte es mir bisher sagen. Ich meine, es stellte Siegfrieds Kampf mit dem Drachen dar.

Zu den wichtigen Dingen damals zählte, daß wir Erstklässler nicht wie in den Baracken in den be­kannten Bänken mit den Klappsitzen saßen, sondern auf kleinen Stühlen an kleinen Tischen. Und das war damals etwas Neues. Es war damit zu jener Zeit nicht nur die modernste, sondern auch die ,,schönste Schule Essens": Es kamen etliche Kommissionen, um sie zu besichtigen.

Meine erste Lehrerin war Frl. Winterberg. Aber dann hatte man auch andere Lehrer und Lehrerinnen: u.a. Lehrer Hördemann und Lehrer Wenzel, Lehrer Schröer und Lehrer May, Rektor Regmann und Rektor Herborn, Frl. Grimberg und Frl. Habighorst, Frl. Paul und nicht zu vergessen Frau Lin­denberg, die nach vierzigjähriger Tätigkeit auf der Margarethenhöhe 1956 verabschiedet wurde und bis ins hohe Alter Verbindung mit vielen ehemaligen Schülern hielt. - Sie hatten manchen Spass und manchen Ärger mit uns. Oder wir mit ihnen, je nachdem von welcher Seite man es betrachtet. Manchmal kommt mir das Wundern, daß sie es verstanden und schafften, uns etwas beizubringen. Und dafür sei ihnen allen Dank gesagt!

 


 

Herausgeber:        Die Bürgerschaft Essen-Margarethenhöhe e.V.

Ausgabe:               Nr.: 67. Oktober 1998

 
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