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Der Halbachhammer - 65 Jahre im Nachtigallental

Vorgeschichte

halbachhammer 2Als im Jahre 1934 Sturm Kegel als Beigeordneter und Baudezernent von Hagen nach Essen kam, brachte er von dort die Idee von der Einrichtung „eines technikgeschichtlichen Lehrpfades“ mit. Das Ruhrlandmuseum griff diese Idee auf und man machte sich an die Planung. Rund um die Margarethenhöhe glaubte man mit dem Nachtigallental und der Sommerburg das geeignete Ge­lände gefunden zu haben, zu mal am Ausgang der Sommerburg schon ein Objekt vorhanden war: das Mühlenhäuschen der Brandsmühle. (Es stürzte leider im Jahre 1937 wegen Baufälligkeit ein und wurde nicht wieder aufgebaut). Das Museum besaß auch schon mehrere andere Objekte, wie z.B. eine kompl. Stellmacherwerkstatt sowie eine Holzschuhmacherwerkstatt und eine Nagel­schmiede.

Einen frühgeschichtlichen Rennfeuerofen konnte man nach Funden im Siegerland re­konstruieren und wieder aufbauen usw. Und bei Krupp lagerte nun eine komplette Hammerhütte aus dem Siegerland. Aus dem Plan eines technikgeschichtlichen Lehrpfades wurde aus verschie­denen Gründen nichts.

Die Geschichte

Unser Hammer war einer der vielen, die es im Bergischen, im Siegerland und an den südlichen Nebenbächen der unteren Ruhr gab. Er stand in Weidenau an der Sieg und ist seinem Ursprung nach eine Hammerhütte.. Die Siegener Renteirechnung berichtet im Jahre 1417 allein von mehr als 20 Blase- und Hammerhütten. Die Blasehütten waren die ersten Hochöfen in denen durch verstärkte Windzufuhr Roheisen geschmolzen wurde. In den Hammerhütten wurde das Roheisen in schmiedbares Eisen, in ,,Stahl“ verwandelt. Zu diesem Zweck waren in ihnen ,,Frischfeuer“ vorhanden.

Die Hämmer wurden durch sogenannte Gewerke betrieben, d.h. verschiedene Leute schlossen sich zusammen und jeder hatte bestimmte Anteile daran. Da ihre Mitglieder an etlichen verschiedenen Hämmern beteiligt waren, kann man die einzelnen kaum einordnen.

Erst 1419 wird die Hammerhütte in Weidenau als Ficken-Hammerhütte genannt. Die Familie Fick hatte die meisten Anteile daran. Im Jahre 1480 wurden u.a. sogar acht Träger dieses Namens als Anteilbesitzer solcher Betriebe an der Sieg genannt. Im 16.-18. Jahrhundert tritt jedoch die Sippe Fick an Bedeutung anderen Familien gegenüber zurück, ohne indes aufzuhören, Mitbesitzer von Hämmern zu sein. So war später z.B. die dominierende Familie an dem Weidenauer Hammer die Familie Schleyfenbaum. Auch die Anzahl der Anteileigner wechselte im Laufe der Zeit.

Je nach seinen Anteilen hatte auch jeder Anteileigner bestimmte Tage, an denen er schmieden konnte. Die Tage nannte man eine ,,Reise“. Und so hatte auch jeder Anteileigner sein eigenes Kohlenlager.

In den ersten Jahrhunderten verwendete man zum Frischen Holzkohle. Nach 1823 ging man in Westdeutschland zum Steinkohlenfrischen oder zum ,,Puddeln“ über. Durch diese Neuerungen wie auch dann infolge der Einführung des Bessemer-, Thomas- und Siemens-Martin-Verfahrens konnten die alten Techniken nicht mehr mithalten. Die Produktion ging zurück und Hammer für Hammer musste den Betrieb einstellen.

Die alte Ficken-Hammerhütte befand sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts im Alleinbesitz von J.J. Bruch, nachdem vorher noch ein Mitglied der Familie Fick als späterer Nachkomme der alten Familie Mitbesitzer gewesen war. Bis zur Stillegung um 1900 war die Familie Bruch Besitzerin der Hammerhütte, die danach dem sicheren Verfall preisgegeben war.

Es kam aber anders. Der damalige Besitzer E. Bruch stellte im Frühjahr 1913 auf Anregung ver­schiedener maßgeblicher Leute den Hammer der geplanten großen ,,Ausstellung Düsseldorf 1915“ zur Verfügung. Die Firma Gebr. Berg sollte den Hammer auf dieser Ausstellung wieder betriebsfertig herrichten. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges verhinderte dies allerdings, nachdem die Vorarbeiten schon angelaufen waren. In der Folgezeit interessierte sich das Deutsche Mu­seum in München für eine Aufstellung des Hammers in ihren Räumen. Aber auch daraus wurde nichts.

halbachhammer 1936Dann beabsichtigte Herr Dr. Gustav Krupp von Bohlen und Halbach den Hammer zu erwerben und ihn 1915 an geeigneter Stelle wieder zu errichten. Der weitere Verlauf des Krieges verhin­derte allerdings dieses Vorhaben. Einzelne Teile mussten neu angefertigt werden 1917 kam die erste Sendung nach Essen und 1920 folgte der Rest. Durch die folgenden politischen und wirt­schaftlichen Verhältnisse musste eine Neuaufstellung verschoben werden.

Nun kam wahrscheinlich die Idee eines technikgeschichtlichen Lehrpfades ins Spiel.
1935/36 wurde der Hammer im Nachtigallental wiederaufgebaut.

Am 9. November 1936 wurde der Hammer in einer Feierstunde dem Oberbürgermeister der Stadt Essen, Herrn Dr. Reismann-Grone, zu treuen Händen übergeben und dem Ruhrlandmuseum als Freilichtanlage angegliedert. ,,Mit berechtigtem Stolz konnte der Stifter“ - wie berichtet wird - in seiner Festansprache auf die jahrhundertlange Verbundenheit seiner Vorfahren mit der alten ber­gischen Eisen- und Stahlindustrie und auf die lange Reihe von Hammerwerksbesitzern unter sei­nen Halbachschen Ahnen hinweisen. Darum soll auch nach seinem Wunsch der in geschichtli­cher Treue wiedererstandene Eisenhammer den Namen „Halbachhammer“ tragen und künftigen Geschlechtern von mühsamer, fleissiger Arbeit vergangener Zeiten künden".

1937 wurde nebenan noch ein angeschnittener siegerländer Kohlenmeiler errichtet, der aber im letzten Krieg verschwunden ist.

In den Jahren bis zum Ausbruch des Krieges fand dann im Halbachhammer an jedem 1. Sonntag im Monat eine Schmiedevorführung statt. Dumpf hallten dann die Schläge durch das Nachtigal­lental. Der Teich lief dann allerdings halb leer.

 

Die Technik

konstruktion des halbachhammers,,Schwarz - weiß – grün“ sind die Farben des heimi­schen Fachwerk­hauses. Weiß sind die Wände, un­terteilt von den schwarzen Holz­balken und die grüngestrichenen Türen, Tore und Fensterläden runden die Farbgebung dezent ab. So gesehen passt sich das Gebäude des Halbach­hammers im Nachtigallental harmonisch der Landschaft an, in der er eingebettet daliegt.

Wenn man das dämmerige Innere betritt, fällt zunächst das wuchtige klobige Holzwerk ins Auge. Bei näherem Hinsehen erkennt man eine sinnvolle Konstruktion.

Zunächst fallen an beiden Seiten die großen un­terschlächtigen Wasserräder auf. Das rechte klei­nere Wasserrad mit einem Durchmesser von 3,45 Meter dient zur Erzeugung des Gebläsewindes für eine aus Zie­gelsteinen errichtete Esse, in der das verarbeitende Werkstück erhitzt wird. Auf der Achse des Wasserrades aufgesetzte Daumen oder Frösche drücken bei jedem Umlauf, wenn man mittels einer Hebelstange den Wasserkanal geöffnet hat, wechselweise zwei lederne Blase­bälge zusammen, aus denen die Luft stoßweise in einen Ausgleichkessel und von diesem gleich­mäßig zu der Esse strömt.

Das andere Wasserrad auf der linken Seite mit 4,20 Meter Durchmesser sitzt auf der 6.20 Meter langen und rund 1 Meter starken Hammerachse oder -welle, die beiderseits in Lagern läuft. Auf dem vorderen Teil dieser Achse ist der gusseiserne Wellring aufgetrieben, an dessen Außenwand fünf Hebedaumen oder Frösche aufsitzen. Diese fassen beim Umlaufen unter den Stiel des Ham­mers oder auch Helm, der somit bei einer Umdrehung des Wasserrades fünfmal aufgewor­fen wird. Darum wird dieser Hammertyp als ,,Aufwurfhammer“ bezeichnet. Im Gegensatz frischhammerdazu wird der Eisenhammer im Deilbachtal in Kupferdreh als ,,Schwanzhammer“ bezeichnet, weil bei ihm die Daumen das Ende des Helms nach unten drücken und bei Weiterdrehung der Hammer durch das Eigengewicht nach unten fällt.

Beim Halbachhammer ist der 2,6 Meter lange Helm mit seinem hinte­ren Ende in der gusseisernen Büchsensäule drehbar gelagert. Der auf dem Helm aufgetriebene eigentliche Hammer hat ein Bärgewicht von 300 kg. Die Hammerbahn und ebenso der Amboss sind beide im hinte­ren Teil mit der Maßen 18 x 15 cm zum ,,Recken“ eingerichtet wäh­rend im vorde­ren Teil beide breit sind mit den Maßen 24 x 16 cm und zum ,,Schlichten“ dienen. Der Amboss ruht auf der schweren gusseisernen ,,Schabotte“. Die Hubhöhe des Hammers beträgt 40 cm.

Zur Verstärkung des Schlages liegt über dem Helm ein 3,5 Meter langer federnder Prellbalken, der ,,Reitel“, der mit seinem hinteren Ende durch einen Ausschnitt in der Reitelsäule hindurch in der dahinter stehenden ,,Wassersäule“ befestigt ist. Die Zahl der Hämmerschläge beträgt 110 in der Minute.

Darüber liegt von der zum Wasserrad stehenden ,,Wassersäule“ und der auf der anderen Seite stehenden ,,Dramsäule“ der rund 9,5 Meter lange ,,Dram“, der ursprünglich 0,7 Meter Durchmes­ser hatte. Vor etlichen Jahren musste er ausgewechselt werden. Da man keinen gleich starken Baum finden konnte, musste man sich mit einem weniger starken Eichenstamm begnügen. Die ganze Konstruktion hat mit seinem Gewicht die Aufgabe, dem beim Schlagen nach oben auswei­chenden Drehpunkt des Helms entgegen zu wirken. Nach der Seite wird das Ganze durch die ,,Steverbäume“ abgestützt..

Am Drambaum sind eiserne Ringe mit Haken befestigt, an denen mit Ketten schwere Schmie­destücke aufge­hängt wurden. Ne­ben dem Amboss hängt an einem schwenkbaren Bal­ken an einer Kette ein Sitz. Hier sitzt der Hammer­schmied beim Schmieden und kann mit seinem Sitz folgend, das mit einer Zange ge­fasste glühende Ei­sen vor- und zu­rückbewegen.

Geschmiedet und geformt wurde vor allen Dingen Stabeisen, das dann in eigenständigen Kleinschmieden Fertig­produkte, wie z.B. Gewehrläufe, Sensen usw. herstellte.

Der Zahn der Zeit hatte dem Halbachhammer doch arg zugesetzt. So waren u.a. die Hammer­achse gebrochen und der Reitel funktionsuntüchtig geworden: Vieles musste gerichtet und erneu­ert werden. Von 1994 bis 1998 wurde das technische Kulturdenkmal im Rahmen des Essener Konsenses in der Verbindung von denkmalpflegerischen und berufsbildenden Maßnahmen vom Ruhrlandmuseum vollkommen saniert. In einer Feierstunde konnte am 11. September 1998 der Hammer wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Seitdem hat es in ihm, in Verbindung mit der ,,Bürgerschaft“ Essen-Margarethenhöhe verschiedene schöne Konzertabende mit Chormusik gegeben.

So bildet der Halbachhammer im Nachtigallental einen technikgeschichtlichen Zeugen der vor­industriellen Eisenverarbeitung, der sich mit heutigem Kulturgeschehen sinnvoll verbindet.

 


Herausgeber:    Die Bürgerschaft Essen-Margarethenhöhe e.V.

Ausgabe:         Nr.: 78. Juni 2001

 
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